Angesichts einer Reihe globaler Strukturtrends wie Deglobalisierung, Dekarbonisierung und Demografie, die Märkte und Gesellschaft neu definieren, sind traditionelle 60/40-Portfolios im liquiden Bereich möglicherweise nicht mehr ausreichend in der Lage, die von Anlegern erwarteten Anlageergebnisse zu erzielen. Was also tun?
Für viele Investoren heißt die Lösung: in Private Markets investieren. Und Private Assets sind zweifelsfrei im Trend und auf dem Vormarsch; das belegen auch die Zahlen der Schroders Global Investor Insights Survey. Die 2.830 Befragten der Studie repräsentieren ein breites Spektrum von Institutionen, darunter Pensionskassen, Versicherungsgesellschaften, Family Offices, Stiftungen, offizielle Institutionen, Gatekeeper sowie Vermögens- und Finanzberater. Das Universum der Befragten ist zusammen für ein Vermögen von 74,5 Billionen US-Dollar verantwortlich. Das Ergebnis: 80 Prozent der Befragten investieren entweder bereits Private Markets oder planen, dies in den nächsten ein bis zwei Jahren zu tun.
Nach starken Renditen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ist es kein Wunder, dass viele Investoren in die privaten Märkte investieren wollen. Aber lohnt sich jetzt noch ein Einstieg? Nils Rode, Chief Investment Officer der Private-Assets-Plattform Schroders Capital, ordnet ein: „Zu Beginn dieses Jahres war unser Ausblick für Privatmarktanlagen optimistisch. Diese Perspektive wurde durch unsere Erwartung eines kontrollierten Rückgangs der Inflation und einer allmählichen Normalisierung der Leitzinsen der Zentralbanken untermauert. Heute gibt es Anzeichen dafür, dass die Inflation deutlich zurückgegangen ist und dass ein Lockerungszyklus begonnen hat. Die geopolitischen Spannungen bestehen jedoch weiterhin, wobei das Risiko einer Eskalation der Konflikte auf der ganzen Welt die Bedeutung einer diversifizierten Allokation innerhalb der Private Markets unterstreicht.“
Fast 100 Milliarden US-Dollar in Private Assets
Der Asset Manager Schroders ist davon überzeugt, dass die Ergänzung traditioneller Portfolios durch Private Markets zu einer Diversifizierung der Renditequellen mit geringer Korrelation untereinander führen und so zum Aufbau stabiler Portfolios mit langfristigem Erfolgspotenzial beitragen kann. Die größten Veränderungen in der Welt werden zunehmend durch privates Kapital vorangetrieben. Schroders will direkten Zugang zu den Themen, die die Welt prägen, liefern und dadurch einen Mehrwert generieren.
Private Markets bieten Zugang zu einem größeren Universum von Vermögenswerten, die direkt zu langfristigem Wirtschaftswachstum über Geschäftsausweitungen, technologische Innovation und physische Vermögenswerte beitragen. Private Assets tragen dazu bei, die zukünftigen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen. Aber durch welche Investments können Investoren genau profitieren? Schließlich sind auch die privaten Märkte sehr heterogen.
Die Expertise bei Schroders teilt sich derzeit im Private-Markets-Bereich in vier Assetklassen auf: Private Equity, Immobilien, Infrastruktur und Private Debt beziehungsweise alternative Kreditanlagen. Insgesamt verwaltet Schroders Capital in diesen Bereichen zum Ende Juni 2024 97 Milliarden US-Dollar an Assets. Das Private-Assets-Team besteht aus 725 Mitarbeitenden in 25 Ländern und ist damit eines der größten in Europa.
„Das Segment der Energiewende ist besonders attraktiv“
Diese Expertise zeigt sich auch bei der Strukturierung und auch durch regulatorische Änderungen. Denn dadurch wird auch privaten Anlegern zunehmend ein Zugang zu den Private Markets eröffnet. Beispielsweise durch semi-liquide (oder Evergreen-)Fonds, also Private-Asset-Portfolios, die kontinuierlich periodische Liquidität bieten. Ergänzend lässt sich auch in geschlossene Fonds mit fester Laufzeit oder in börsennotierte Produkte investieren.
Der Einstiegszeitpunkt könnte trotz jahrelang starker Performance ein guter sein. Denn die globalen Herausforderungen – allen voran im Hinblick auf Infrastruktur-Investments und die grüne Transformation der Wirtschaft – sind enorm.
„Das Segment der Energiewende im Infrastrukturbereich ist aufgrund seiner starken Inflationskorrelation und seiner sicheren Einkommensmerkmale nach wie vor besonders attraktiv“, sagt Rode und fügt hinzu: „Das Streben nach Dekarbonisierung, gepaart mit Bedenken hinsichtlich der Energiesicherheit, die durch den anhaltenden Konflikt in der Ukraine noch verstärkt werden, kommt den erneuerbaren Energien weiterhin zugute. Die anhaltende Besorgnis über die Lebenshaltungskosten in einer Reihe von Volkswirtschaften wirft auch ein Schlaglicht auf das Problem der Erschwinglichkeit von Energie. In vielen Regionen der Welt sind erneuerbare Energien die kostengünstigste Option für die neue Stromerzeugung.“
Derzeit haben erneuerbare Energien in Europa eine Basis von 600 Milliarden Euro, was 45 Prozent der Infrastrukturtransaktionen entspricht. Bis Anfang der 2030er-Jahre wird sich dieser Betrag voraussichtlich auf 1,3 Billionen Euro mehr als verdoppeln, sodass erneuerbare Energien und die Infrastruktur für die Energiewende den Großteil der investierbaren Vermögenswerte in diesem Sektor ausmachen werden. Darüber hinaus werden Technologien im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien, wie Wasserstoff, Wärmepumpen, Batterien und das Aufladen von Elektrofahrzeugen, eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Dekarbonisierung von Sektoren wie Verkehr, Heizung und Schwerindustrie spielen.
Kleine bis mittlere Buyouts im Fokus
Auch im Private-Equity-Bereich können Investoren von der Dekarbonisierung und Energiewende profitieren. Generell ist bei vielen Investoren vor allem die Private-Equity-Allokation in den vergangenen Jahren stark gestiegen beziehungsweise erhöht worden. Wie geht es jetzt weiter? „Private Equity hat im Jahr 2024 eine positive Dynamik erfahren, wobei sich das Transaktions- und Ausstiegsvolumen weiter normalisieren. Die Wertentwicklung der Risikokapitalfonds ist zum ersten Mal seit Ende 2021 wieder positiv, und die Renditen der Buyout-Fonds bleiben stabil und positiv. Die Distributionstätigkeit liegt zwar unter dem langjährigen Durchschnitt, hat aber von Quartal zu Quartal stetig zugenommen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Aufwärtstrend im Bereich Private Equity bis in das vierte Quartal fortsetzen wird, insbesondere angesichts der erwarteten weiteren geldpolitischen Lockerung“, so Rode, der für einen sehr selektiven Ansatz bei Private-Equity-Investitionen plädiert. Dieser müsse sich auf Chancen konzentrieren, die mit globalen Trends übereinstimmen und eine Komplexitätsprämie erzielen können.
„Wir bevorzugen kleine bis mittlere Buyouts gegenüber größeren, da das Umfeld für trockenes Pulver günstiger ist und ein Bewertungsabschlag besteht, der trotz eines leichten Rückgangs der Einstiegsmultiplikatoren für größere Übernahmen bei etwa dem 5-fachen EV/EBITDA gehalten wurde. Kleine und mittelgroße Buyouts verfügen außerdem über eine zusätzliche Ausstiegsstrategie – den Verkauf ihrer Portfoliounternehmen an größere Buyout-Fonds“, so Rode, der auch Co-Investments als attraktiv einstuft. Denn in diesem Bereich haben sich die Banken aus dem Kreditmarkt zurückgezogen und die Kreditfonds seien insgesamt vorsichtiger geworden. „Der Eigenkapitalbedarf bei Transaktionen bleibt erhöht, sodass eine Kapitallücke entsteht, in die aktive Co-Investoren einsteigen können“, stellt Rode fest.
Private Assets, ja. Aber selektiv!
Es lässt sich also zusammenfassen, dass die Erträge im Bereich der Private Markets nach wie vor attraktiv sind. Der Ausfallzyklus scheint erneut vermieden worden zu sein. Und der Bedarf sowohl bei Infrastruktur-Investments als auch im Immobilen- und Private-Equity-Bereich sind größer denn je.
Aber es ist nicht alles Gold was glänzt. Rode sagt abschließend: „Unser Ausblick für Privatmarktanlagen ist zwar optimistisch, aber wir sind der Ansicht, dass es angesichts der anhaltenden geopolitischen Risiken und der Eskalationsrisiken durch anhaltende Konflikte unerlässlich bleibt, sehr selektiv vorzugehen und eine robuste Diversifikation innerhalb der Privatmarktallokationen beizubehalten. In den folgenden Abschnitten beleuchten wir die attraktivsten Möglichkeiten innerhalb jeder Privatmarktklasse.“