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Vom Pariser Abkommen zur Praxis: Wie lässt sich Nachhaltigkeit bei Private Markets umsetzen?

Ein essenzieller Bestandteil der Klimaschutz-Bemühungen muss die Dekarbonisierung der Industrie sein, hier besteht allerdings ein massiver Investitionsbedarf, der nicht allein von staatlicher Seite gedeckt werden kann. An dieser Stelle kommen auch Private Markets ins Spiel. Könnten sie der Schlüssel zur Klimawende werden?

Autor
Henriette Schulte

Ohne eine zügige und drastische Kehrtwende beim Thema Nachhaltigkeit wird die Weltgemeinschaft das 2015 im Pariser Klimaabkommen festgeschriebene Ziel von 1,5 Grad der Erderwärmung weit verfehlen. Während der Weltklimakonferenz COP29 in Baku haben die Industriestaaten entscheiden, die Klimahilfen für sogenannte Entwicklungsländer auf 300 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Aber reicht dieser Betrag aus?

Vermutlich nicht. Ohnehin ist der Investitionsbedarf so immens, dass staatliche Gelder nicht ausreichen werden. Und hier kommen Investments in die Privatmärkte ins Spiel. Denn auch bei den Private Markets ist es zweifelsfrei sinnvoll und notwendig auf Nachhaltigkeit zu setzen; und die Transformation der Wirtschaft durch Gelder in Privatmärkten voranzutreiben.

Impact Investment in der Subsahara

Auf liquider Seite sind Regularien für nachhaltige Investments durch die Taxonomie der Europäischen Union und die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen klar definiert. Auf Seite der Private Markets bereitet der Mangel an Normen allerdings Schwierigkeiten. Dabei hat nicht nur der Bedarf, sondern auch die Nachfrage an nachhaltigen Strategien drastisch angezogen. Seit 2004 der Begriff ESG vom Global Compact der UN geprägt wurde, stieg das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds und Mandate in Deutschland laut Statista von fünf Milliarden Euro auf über 470 Milliarden Euro im Jahr 2023.

Auch bei Private Assets gibt es einige Wege und Mittel, Verantwortung für Umweltschonung, soziale Gerechtigkeit und faire Unternehmensleitung zu übernehmen. Im Bereich von Infrastruktur und Immobilien ist das Thema meist einfacher umzusetzen als bei Private Debt oder Private Equity. So kann Impact Investing durch Investitionen in erneuerbare Energien, wie Wind- oder Solarparks und Wasserkraftwerke, oder zukunftsfähige Landwirtschaft, wie regenerative Agrarsysteme, einen Platz im Portfolio finden.

Der britische Asset Manager Schroders geht nachhaltige Investments unter anderem mithilfe seinem spezialisierten Impact-Investment-Manager BlueOrchard an. Im Bereich Infrastruktur hat das Team Investitionen getätigt, um die Konnektivität in ländlichen Gebieten in der Subsahara erheblich zu verbessern, indem es einem Telekommunikationsanbieter, der sich auf den Zugang zu Mobilfunknetzen in unterversorgten Gemeinden spezialisiert hat, Kredite zur Verfügung gestellt hat. „Eine digitale Infrastruktur ist unerlässlich, um Geld überweisen, Versicherungen abschließen oder Schulgebühren zahlen zu können, was in diesen Gebieten ausschließlich über das Handy erfolgt. Eine beschleunigte digitale Eingliederung in Wachstumsmärkte ist eine wichtige Triebkraft für nachhaltiges Wachstum und gemeinsamen Wohlstand“, sagt Veronika Giusti-Keller, Head of Impact Management bei BlueOrchard.

Immobilien mit zentraler Rolle beim Klimawandel

Zudem kann Exposure im Immobiliensektor in Form von Förderung bezahlbaren Wohnraums oder Bauprojekte mit sozialem Fokus auf das Ziel einzahlen. Infrastrukturprojekte, die nachhaltige Baupraktiken unterstützen, tragen zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft bei. Die Global Real Estate Sustainabilty Benchmark (GRESB) bietet einen Rahmen für die Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien bei Real Assets und schafft so mehr Transparenz hinsichtlich ESG-Praktiken bei Immobilien- und Infrastrukturinvestitionen. Das Ergebnis der GRESB-Analyse wird in Prozent mit einem Maximum von 100 dargestellt. Es gibt quantitative Einblicke in Unternehmen, Fonds und Assets; der durchschnittliche Score liegt bei 66 Prozent. Nachhaltiges Exposure in den Immobilien- und Infrastruktursektor ist also noch stark ausbaufähig.

Giusti-Keller unterstreicht die Rolle, die Immobilien bei der Anpassung an den Klimawandel spielen: „Immobilien tragen jährlich zu etwa 40 Prozent der gesamten CO2 Emissionen weltweit bei. Nur etwa zehn Prozent davon stammen von Neubauten.“ Der überwiegende Teil der CO2-Emissionen entstehe durch den Energieverbrauch bestehender Gebäude und ihrer Beleuchtung, Heizung und Kühlung.

Beispiele für spezifische Investitionen sind die Verbesserung des Angebots an Einkaufs-, Freizeit- und Gemeinschaftseinrichtungen zur Neubelebung von Gegenden und die Verbesserung des Arbeitsplatzangebots, um das Wachstum sozialer, öffentlicher und privater Unternehmen zu steigern. Auch der Bau bezahlbaren und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Wohnraums stellt einen großen Hebel bei sozial verträglichen Investments dar.

Unsichere Datenlage und fehlende Normen

Ernsthaftes Ausbaupotenzial gibt es auch bei der Datengrundlage für nachhaltige Private Equity und Private Debt, denn diese Herausforderung beschränkt sich meist auf das ESG-Screening einzelner Firmen. Zwar lässt sich der direkte und indirekte CO2-Fußabdruck eines Unternehmens durch Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen messen, doch häufig müssen Private-Equity- und Debt-Investoren eigene Bewertungsframeworks entwickeln, wenn sie nicht gerade externe ESG-Rating-Agenturen wie Sustainalytics oder MSCI ESG Ratings nutzen.

Im Fall von Schroders profitiere man laut Rainer Ender, Global Head of Private Equity bei Schroders Capital, sowohl beim Framework als auch bei den ESG-Scorecards und dem Reporting von der Expertise von BlueOrchard. Anstatt von vorneherein gezielt nur nach Impact zu filtern, würden alle Investment-Opportunitäten verfolgt. Ender erläutert den Prozess: „Erst wenn wir dann ein Impact-Potenzial nach SFDR erkennen, KPIs festlegen und das Reporting sicherstellen können, wird es ein Artikel-9-Asset.“

Alarmierende Greenwashing-Zahlen

Viele Asset Manager bedienen mit ihren ESG-Fonds einen boomenden Markt. Doch laut einer Studie von Finanzwende Recherche, einer gemeinnützigen Organisation mit Fokus auf Aufklärung und Verbraucherschutz, wird immer noch Greenwashing im großen Stil betrieben. Auch Private Markets sind davon nicht ausgeschlossen. Die Studie zeigt, dass über 70 Prozent der nachhaltigen Energie-Investitionen in fossilen Energien liegen, darunter fast 100 Millionen Euro in Kohle. Auch ein Schwerpunkt auf klar zukunftsträchtige Investments sei nicht erkennbar.

Ein erster Lösungsvorschlag für die Greenwashing-Problematik ist der Engagement-Ansatz, bei dem Investoren versuchen auf die Nachhaltigkeitspraktiken von Unternehmen einzuwirken. Nachhaltiges Investieren in Private Markets wird vor allem dann möglich, wenn sorgfältige Unternehmensanalysen von unabhängigen und spezialisierten Anbietern durchgeführt werden.

Durch die großen Mengen an Kapital, die börsennotierte Blue Chips und Konzerne beschaffen können, fällt es diesen wesentlich leichter einen Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen zu leisten. „Als Einzelkategorie werden diese Unternehmen jedoch nicht annähernd genug tun können“, sagt Giusti-Keller. Sie sieht klares Potenzial und eine entscheidende Rolle der Private Markets: „Der Großteil des Kapitals, das für die Entwicklung – oder Expansion – der wirkungsvollsten Technologien oder Finanzlösungen benötigt wird, wird von den Privatmärkten kommen.“

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